Ria Demarteau - “I like to go with my own flow“

 

Während ich die Ausstellung “Verblüffend! Textile Experimente” organisierte, fielen mir die beiden eingereichten Arbeiten von Ria Demarteau aus den Niederlanden besonders auf. Wir blieben durch E-Mails in Verbindung und über die Monate hinweg lernte ich sie und ihre Werke besser kennen. Ich bat Ria um ein Interview und um einige Bilder von ihren Arbeiten – und ich kann sagen, es wird Sie faszinieren! Bitte sehen Sie selbst!

 

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Die Mittfünfzigerin Ria lebt in Amstelveen (in der Nähe von Amsterdam) in den Niederlanden zusammen mit ihrem Mann. Sie liebt Textilien, Papier und Farbe. In ihrem Schaffen benutzt sie oft auch Kombinationen dieser Materialien und hat besondere Freude am Experimentieren. Manchmal arbeitet sie eine Idee aus, aber genauso gut kann das Material und seine Verwendung Ausgangspunkt ihres Schaffens sein. Ihre Arbeiten zeichnen sich durch Rhythmus, Linienführung und einen bemerkenswerten Farbeinsatz aus. Es überrascht nicht, dass Textilien und Farbe eine derartig große Rolle in ihrem Leben spielen. Eine ihrer künstlerischen Wurzeln führt zum Großvater ihrer Mutter, der in der berühmtesten Straße von Amsterdam, der P.C. Hooftstraat ein Schneidergeschäft mit 30 Angestellten besaß. Er war auch Maler und Sammler und Ria fühlt sich ihm sehr verbunden. Jahrelang hat sich Ria weitergebildet. Sie besuchte Workshops, Kurse und Meisterklassen, um Fähigkeiten und Fertigkeiten, die Quelle ihrer Inspirationen zu vergrößern. Ria nimmt an zahlreichen, auch internationalen Ausstellungen teil.

 

 

G.H.: Du bist nicht nur eine Quilterin, sondern viel mehr. Kannst du mir etwas über den Background, deine Entwicklung erzählen?

 

R.D.: Ich war schon eine Quilterin, bevor ich überhaupt etwas von Patchwork gehört hatte. Mit unseren aufwändigen Zwillingen musste ich in allen Belangen kreativ sein. Als ich zum ersten Mal Patchwork sah, hat es mich interessiert, aber nicht über die Maßen, weil ich damit beschäftigt war, meinen Beruf als Lehrerin auszuüben (und mit den Zwillingen). Ich wollte nicht all diese zeitraubenden Dinge tun; und so stellte ich nur einen Quilt her, einen Wandbehang mit Weihnachtsbäumen.

Und dann hat es mich erwischt, und ich begann, all die Möglichkeiten zu untersuchen, aber nach einer Weile erweiterte ich meine Sicht und das war der Moment für die heutige Arbeit.

 

 

 

 

 

G.H.: Dein Lebenslauf zeigt eine breite Auswahl von künstlerischen Betätigungsbereichen auf. Bist du heute eine professionelle Textilkünstlerin?

 

R.D.: Ja, ich bin eine Textilkünstlerin mit vielen speziellen Ansätzen.

 

 

G.H.: Mit welchen Materialien arbeitest du am liebsten?

 

 

R.D.: Ich liebe alle Arten von Fasern und ich arbeite z.B. gern mit Wegwerfartikeln wie Teebeutel (noch mit dem gebrauchten Tee darin), Kaffeepads, Nespresso Cups oder alten DVDs. Ich verarbeite gern Stoffe, besonders Seide, Papier und Farbe, z.B. als Siebdruck. Die Farben, die Möglichkeiten, die Dinge, die zufällig und spontan passieren, können mich begeistern.

 

 

 

 

G.H.: Welche Techniken setzt du ein oder kombinierst sie mit anderen, welches sind deine liebsten? Entwickelst du eigene Techniken?

 

R.D.: Ich suche immer nach allen Arten und Möglichkeiten und ich mixe sie gern. Durch Experimentieren entdecke ich neue Dinge oder Techniken. Das dauert seine Zeit. Das letzte, was ich entwickelte, ist der Transfer von CDs auf Stoff. Diese Technik wandte ich in meiner Arbeit „Music Snatches“ an, mit der ich bei „Textile News“, dem 3. Wettbewerb für Kleinformate teilnehme.

 

 

 

G.H.: Hast du eine bestimmte Technik im Blick?

 

R.D.: Nein, ich wende die Technik an, die in diesem Moment zu diesem Thema passt.

 

 

 

G.H.: Was inspiriert dich? Führst du ein Skizzenbuch?

 

R.D.: Manchmal inspirieren mich meine eigenen Erfahrungen. So habe ich viele Kilos abgenommen und das setzte ich in eine Arbeit bestehend aus 12 Unterhosen um, „Vom Schwer- zum halben Federgewicht“.

 

Ich habe verschiedene Skizzenbücher, größere, und die kleinen Exemplare, die ich leicht in die Tasche stecken kann. Ich fotografiere immer und so ziemlich alles und ich lese Zeitungen und Zeitschriften mit der Schere in der Hand -hihi-.

 

 

 

G.H.: Machst du für eine neue Arbeit eins, zwei, drei Entwürfe? Schöpfst Du eine Designidee aus?

 

R.D.: Ich habe gern einen ganzen Tag Zeit zum Färben, Drucken oder für Batik … alles, was mich in diesem Moment beschäftigt. Es passiert manchmal, dass ich ein Design ausschöpfe, so wiederholt sich das Thema „Hände“. Ich benutzte die Hände z.B. in meinem Buch „Let’s Meet“.

 

 

 

G.H.: Hast du einen eigenen Raum zur Verfügung, wo du arbeiten kannst?

 

R.D.: Ja. Wir leben in einem Apartment mit fünf Zimmern. Mein Studio ist das „Garten-Zimmer“ mit Blick auf unseren Garten. Die anderen vier Räume sind im ersten Stock, wo ich den kleinsten Raum für meine Malerei benutze.

 

 

G.H.: Bist du Mitglied in einer oder mehreren künstlerischen Gruppe(n)?

 

R.D.: Im Moment bin ich Mitglied in zwei Gruppen.

Die eine Gruppe ist “Textieleren”, eine Gruppe von 10 Textilkünstlern mit verschiedenen Vorlieben; das ist sehr inspirierend. Jedes Jahr geben wir uns ein Thema: Letzte Jahr „Hände“, dieses Jahr „Spuren“ und nächstes Jahr wird es „Miniaturen“ lauten.

Die andere Gruppe bildete sich nach dem “Quilten Special”-Kurs, QS2, ebenfalls zehn Personen.

 

 

G.H.: Wie viele Kunstwerke stellst du im Monat / Jahr ungefähr her?

 

 

R.D.: Das ist gerade keine leichte Frage. Willst du wirklich, dass ich zähle? Es gibt Wochen, da mache ich nicht viel, dann wieder Zeiten des Experimentierens und solche des Arbeitens und Herstellens.

 

 

G.H.: Wie steht’s mit Ausstellungen?

 

R.D.: Im Januar 2009 habe ich an einer Ausstellung eines Taschentuch-Wettbewerbs in Delft teilgenommen. Im Hilton Airport Hotel, Schiphol war „Manual“ für „Let’s Meet“. Zwei Kunstbücher in Belgrad. Im September 2009 wird es eine Ausstellung von Art Quilts in Alkmaar geben, im Februar 2010 im Mühlenmuseum in Koog aan de Zaan (bei Zaandam) und während des Textil Festivals im Holländischen National Museum für Antiquitäten in Leiden.

 

Mein textiler Halsschmuck ist in der Kollektion des Art-Centre Amstelveen, http://www.sbkamstelveen.nl/ka_nl_v_demarteau.html

 

G.H.: Nimmst du an Wettbewerben teil?

 

R.D.: 2007 gewann ich den zweiten Preis mit meiner Arbeit „Tea Bonnet“ und man nahm ein professionelles Bild von “Scrapfieldbloom” für eine Postkarte auf. Dieses Jahr (2008) gewann ich den dritten Preis bei “Keigoed” (das heißt “so gut wie ein Fels”), vgl. „Ring of Kerry“. Dieses Jahr (2009) gewann ich den zweiten Preis bei dem Taschentuch-Wettbewerb.

 

 

 

Du, Gudrun, hast meine Arbeiten in der Zeitschrift „verFilzt Und zugeNäht“ publiziert (2008), zwei meiner Bücher wurden für Bookart 2008/09 in Belgrad ausgewählt und ich veröffentlichte einen Artikel über meine Mutter in einer Spezialausgabe – Jubiläumsedition – anlässlich des 25. Geburtstages unserer Quiltersgilde. Die Frauen der Lovelygroup in Dahka, Bangladesh, entschieden sich für mein Design für ihre „Sari-Shawls“, ein Fair-Trade-Projekt.

 

Und kürzlich wurden zwei Arbeiten von der Jury akzeptiert und nehmen bei 3. Wettbewerb für Kleinformate „Textile News“ teil, der von Gudrun Heinz veranstaltet wird.

 

 

 

G.H.: Hast du künstlerische Vorbilder, Lieblingskünstler, die du magst? Wenn ja, wie beeinflussen sie dein Werk?

 

R.D.: Es gibt keine spezielle Person, denn ich mag so viele Künstler mit so verschiedenen Kunstrichtungen, z.B. Hundertwasser, Picasso, Matisse, Niki de Saint Phalle, Paul Klee, Gaudi, Ilja Repin, Kandinsky, Mondriaan, Chagall, etc. etc. ...

Es sind so viele Künstler, Momente und Dinge, die mich  berühren und jeder und jedes wird einen Einfluss haben.

 

 

G.H.: Findest du noch Zeit für andere Dinge?

 

R.D.: Ich arbeite ehrenamtlich in einem Taschenmuseum, http://www.tassenmuseum.nl  

Es ist ein sehr interessantes Museum, alle Besucher gehen mit einem Lächeln im Gesicht wieder nach Hause, sogar die Männer. Einmal in der Woche kümmere ich mich um mein Nachbarmädchen. Sie ist jetzt fünf Jahre alt und jeden Montag hole ich sie von der Schule ab und sehe nach ihr, bis ihre Mutter wieder zu Hause ist. Und ich gebe kreative Kurse …

 

Liebe Ria, vielen herzlichen Dank für dieses Interview. Du hattest eine Engelsgeduld. Es war mir wirklich eine große Freude mit dir. Vielen Dank.

 

 

Übersetzung: Gudrun Heinz

Alle Fotos von Ria Demarteau, Veröffentlichung mit ihrer freundlichen Erlaubnis. © Ria Demarteau, 2008.

 

 

 

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Mehr über Ria finden Sie auf ihrer Website: www.riademarteau.nl

 

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